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Das Leben vor Beginn des Abenteuers – wie treffen die meisten Menschen ihre Entscheidungen?

1. Wie funktioniert unser Verstand


Die Aufgabe des Verstandes ist es, äußere Autorität für andere zu sein. Äußere Autorität, was bedeutet das? Während unser Verstand das Leben betrachtet, sammelt er Daten und speichert sie ab. Er beurteilt, misst, vergleicht, zweifelt an, hinterfragt, reflektiert, und sucht nach Mustern und dem Sinn der gemachten Erfahrungen. Das ist auch seine Aufgabe.

Warum macht er das alles und warum ist das seine Aufgabe?

Der Verstand dient dazu:

· die gemeinsamen Muster und die Logik zu erkennen. Einmal erkannte Muster wirst du in vielen anderen Gegenständen, Situationen, Sachen und Menschen immer wieder erkennen. Wenn du ein Muster erkennen willst, braucht es dafür Wiederholung und Übung.

Du kaufst dir z.B. einen Schrank von einem Möbelhaus. Du richtest dir ein Büro ein mit diesen bestimmten Schränken und du hast 16 Stück davon. Du packst den ersten aus, liest dir die Gebrauchsanweisung durch, fängst an, den Schrank zusammenzubauen, merkst aber, es funktioniert nicht. Es passieren Fehler. Du musst ihn eventuell noch einmal auseinander nehmen und wieder neu zusammenbauen. Bei jedem Schrank, den du als nächstes zusammenbaust, wirst du schneller und besser. Nach mehreren Wiederholungen hast du das Muster dahinter erkannt und du brauchst zum Schluss noch nicht einmal mehr die Gebrauchsanleitung.

Wenn sich jetzt nun ein Freund von dir denselben Schrank holt und dich fragt, kannst du ihm mit deiner Erfahrung weiterhelfen. Dein Verstand freut sich, behilflich gewesen zu sein.


· zu erkennen, wozu die gemachten Erfahrungen geführt haben. Stell dir vor, du suchst eine Ausbildungsstelle als Kaufmännischer Angestellter. Da deine Noten zu schlecht sind, wirst du von den Firmen abgelehnt. Nachdem du aber fix damit gerechnet hattest, dass du schon bei irgendeiner Firma eine Ausbildungsstelle bekommen würdest, hast du dir noch keine Gedanken oder Planung gemacht, was du sonst weitermachen könntest. Aus Unsicherheit, wie deine Zukunft weitergehen soll, meldest du dich auf einer weiterbildenden Schule an, wo du eigentlich gar nicht hinwillst. Nun bist du auf dieser Schule gelandet. Du bist verwirrt und willst mentale Sicherheit haben. Du fragst dich, warum ist das passiert? Wie bin ich hier gelandet? Wieso habe ich die Ausbildungsstelle nicht bekommen? Aber eine zufriedenstellende Antwort findest du nicht. Da du jetzt aber schon mal hier bist, nimmst du an dem normalen Schulalltag teil, lernst deine Fächer und lässt dich auf diese Erfahrung ein. Im Laufe der Zeit lernst du auf dieser Schule ein Mädchen kennen, in das du dich verliebst. Ihr beginnt eine Beziehung und geht euren gemeinsamen Weg. Später heiratet ihr und gründet eine Familie. Irgendwann erzählst du deinen Kindern von deiner Erfahrung, dass du damals eine Ausbildungsstelle, die du gerne haben wolltest, nicht bekommen hast. Du dich daraufhin auf einer Schule angemeldet hast, die eigentlich nicht deine erste Wahl war. Daraus resultierte die Beziehung mit der Mutter deiner Kinder. Rückwirkend durch den inneren Film, der vor dir abläuft, realisierst du, wozu es geführt hat, diese Ausbildungsstelle nicht bekommen zu haben. Du erkennst den Sinn hinter dieser Geschichte. Der Sinn dieser Geschichte war einfach eine glückliche Beziehung zu finden, die zu einer harmonischen Familie geführt hat. Der Sinn unserer Erfahrungen kann sich erst im Nachhinein zeigen, weil wir erst rückblickend sehen können, wozu etwas geführt hat.


· Erkenntnisse und Wissen neu zu strukturieren

Dieses wiederum wird dem Kollektiven als Hilfsmittel weitergegeben.


Für das Kollektiv ist der Verstand sehr wertvoll, um gemeinsam logische Muster zum Beispiel in Wissenschaft und Technik zu entdecken, mit anderen zu teilen und eine gute Zukunft zu sichern. Außerdem ist er dafür da, die gemachten Erfahrungen mit anderen zu teilen und dadurch einen Sinn darin finden zu können. Er kann auch Gelerntes neu strukturieren,




Er ruft alle gesammelten Daten zu dem gefragten Thema ab, analysiert und stellt dir sein Wissen zur Verfügung. Wenn du jetzt über ein bestimmtes Thema Informationen benötigst und mehr darüber lernen möchtest, kannst du jemanden fragen, der Spezialist dafür ist. der sich mit diesem Thema beschäftigt hat oder dafür Spezialist ist und mehr darüber wissen oder lernen willst oder dir einen technischen Rat holen willst, wie irgendetwas funktioniert, holt der Ratgeber sein gespeichertes, gemessenes Wissen aus seiner Datei heraus und stellt sie dir zur Verfügung. Dafür ist es ja da. Mit dem Wissen des anderen, das er dir zur Verfügung gestellt hat, bist du nun in der Lage, technische Sachen oder handwerkliche Sachen besser zu verstehen und umzusetzen.

Der Verstand des anderen ist dazu da, dir Ratschläge zu geben, gewisse Sachen, wie zum Beispiel Brot backen, Auto reparieren, Zimmer streichen, zur Verfügung zu stellen, dir Tipps zu geben, wie zum Beispiel, wenn du die Wände streichst, leg am besten eine Folie auf den Boden, dann wird der Boden nicht bespritzt mit der Farbe und du hast weniger Arbeit und brauchst den hinterher nicht putzen. Das hat er aus seinen eigenen Erfahrungen herausgefunden und stellt sie dir jetzt zur Verfügung, damit du nicht die gleichen Fehler machst und effizienter arbeiten kannst.

Die Hauptaufgabe unseres Verstandes ist es, uns Spezialinformationen über Themen zur Verfügung zu stellen.

In dem Moment ist dieser Verstand sehr wertvoll für dich, denn er hilft dir, dem anderen, seine Entscheidung zu treffen.

Entscheidungen, die aus der eigenen inneren Autorität kommen! Der Verstand des anderen kann dir also helfen, deinen Körper mit seiner inneren Intelligenz wahrzunehmen.

Auch erzählt er uns Geschichten über das Leben, sei es aus dem eigenen oder aus dem Leben unserer Mitmenschen, diese Geschichten sind aber nur Geschichten und nicht die Wahrheit. Der Verstand ist unsere Unterhaltungsabteilung!

Wenn wir also als wir selbst leben, als freie, unbeeinflusste Wesen, die unsere eigenen Entscheidungen treffen, dann kann unser Verstand wunderbar andere Menschen inspirieren, ihnen einen Rat geben und etwas erklären, aber ist nicht dazu da, um unsere eigenen Entscheidungen zu treffen, denn er hat eine begrenzte Wahrnehmung im Gegensatz zu unserem Körper und unserer inneren Autorität.


2. Das Konditionieren der Nichtselbstmuster durch die Gesellschaft


Grundsätzlich sitzt unser Verstand dort, wo wir uns von den anderen unterscheiden. Wir werden immer dort konditioniert, wo wir anders sind. Das ist ein Versuch, uns aus der Individualität hin zum Mittelweg zu formen und uns gleich zu machen.

Denn nur, wenn wir so sind, wie alle sind, scheinen wir lebensfähig auf diesem Planeten. Damit wir ein gutes und glückliches Leben führen, müssen wir so sein, wie es eben alle sind, sprich: der Durchschnitt. Wenn wir das nicht sind, werden wir zum Außenseiter. Außenseiter sein bedeutet, alleine zu sein. Keine Freunde zu haben, kein Geld zu haben, kein Dach über dem Kopf, zu verhungern und zu verdursten. Also sind alle sehr darauf erpicht, gleich zu sein.

In den Schulen kriegen alle das gleiche Wissen vermittelt. Wir lernen danke und bitte zu sagen. Schlechte Launen oder Wut, Frustration, Verbitterung, Enttäuschung sollen wir möglichst nicht nach außen tragen.

Bei uns behalten und runterschlucken. Denn wenn wir diese Gefühle rauslassen, aus irgendwelchen Gründen, mögen uns die anderen nicht mehr. Wir nehmen all das auf, was die Homogenisierung, der Durchschnitt der Gesellschaft, von uns will und uns sagt. Nur um dazu zu gehören.

Tief in uns drinnen fühlen wir aber, dass uns dieses Gleichmachen nicht bekommt und dass es uns nicht glücklich macht und auch kein gutes Leben beschert. Es führt nur dazu, dass wir wie homogenisierte Zombies durch die Gegend laufen, krank werden, verbittert, enttäuscht, frustriert oder wütend sind, es uns aber nicht anmerken lassen.

Wenn wir uns aber doch irgendwann mal erlauben, diese Sachen zu leben oder rauszulassen, bekommen wir direkt ein schlechtes Gewissen. Fühlen uns ungut, bekommen Schuldgefühle, Gewissensbisse oder schämen uns dafür. Mit der Zeit verlernen wir unser Innerstes zu spüren und verlieren uns im Außen. Wir rennen durch die Gegend, suchen uns Beispiele, Idole, Vorbilder, Gewohnheiten, Süchte, an denen wir festhalten können und die uns das Gefühl von Sicherheit geben. Diese Sicherheit ist trügerisch. Denn sie führt dich immer mehr von dir selber und von dem, was dir zusteht, weg. Die Konditionierung hat gesiegt und die Nicht-Selbst-Muster werden gelebt. Juhu!

Neu am 24.3.2016:

Das Nicht-Selbst

Was ist das Nicht-Selbst? Man könnte es so beschreiben, dass das Nicht-Selbst ein Gefühl im Körper ist, welches sich so anspürt, als ob es nicht zu uns gehört. Und meistens ist das Nicht-Selbst anerzogen.

Wie wir in unserer Kindheit dazu gebracht werden, unseren Körper nicht mehr zu spüren

Stell dir mal vor, du siehst ein kleines Kind. Dieses kleine Kind soll dich jetzt begrüßen, aber dieses kleine Kind hat keine Lust, dir die Hand zu geben.

Dann kommen die Eltern her und sagen zu dem Kind: „Du musst aber der Tante die Hand geben. Das ist fein und das gehört sich so.“

Wenn du magst, versetze dich in das Kind hinein oder erinnere dich daran, wie du dich als Kind gefühlt hast.

Du als Kind glaubst natürlich deinen Eltern und gibst diesem anderen Menschen deine Hand. Außerdem hast du vielleicht gelernt, dass deine Eltern mit dir schimpfen oder dich bestrafen, wenn du nicht machst, was sie von dir erwarten.

Für deinen Körper ist es aber vielleicht gerade nicht das Richtige, diesem anderen Menschen die Hand zu geben. Denn vielleicht ist dein Körper gerade in Abwehrposition diesem anderen Menschen gegenüber, weil dieser Mensch vielleicht eine Erkältung hat, vorher gehustet hat, die Hand vor den Mund gehalten hat und nun die Bakterien auf der Hand sind.

Dein Körper spürt vielleicht instinktiv, dass es für dich gesünder wäre, diesem Menschen jetzt nicht die Hand zu geben. Denn wenn du jetzt dieser Frau oder diesem Mann die Hand gibst, könntest du vielleicht angesteckt werden und auch eine Erkältung bekommen.

Und so erleben wir es tagtäglich, vor allem als Kinder. Unsere Eltern, Lehrer oder auch unsere Freunde und Mitschüler erzählen uns, was wir machen sollen und was wir nicht machen sollen. Immer wieder bekommen wir auch unangenehme Konsequenzen zu spüren, wenn wir uns nicht so verhalten, wie jemand anderer es von uns erwartet.

Dadurch lernen wir mit der Zeit, uns immer mehr dem anzupassen, was in unserer Gesellschaft als angemessen erachtet wird. Wir glauben das, was uns gesagt wird, hören darauf und machen es, auch wenn es sich für uns nicht richtig anspürt.

Wenn wir dann später erwachsen sind, haben wir diese Nicht-Selbst-Muster in uns verinnerlicht. Unser Verstand hat diese Muster gesammelt, ausgewertet, hat sie abgespeichert und wir machen dann oft Sachen, die uns nicht entsprechen, weil wir gelernt haben, dass das so von uns erwartet wird.


Wie wir lernen, das zu tun, was von uns erwartet wird

Zum Beispiel: stell dir mal vor, jemand aus deiner Familie ist krank und nun gehört es sich ja so, dass man anruft und sich nach dem Befinden erkundigt. Dein Körper signalisiert dir aber im Moment gar nicht dieses Gefühl, dass du das Bedürfnis hast, dort anzurufen und nachzufragen.

Im Gegenteil, wenn du tief in dich hinein spürst, merkst du, dass du überhaupt keine Lust hast, diese Person anzurufen, ja, dass sich das sogar schlecht für dich anfühlen würde.

Nun beginnt ein innerlicher Kampf zwischen dem, was dein Körper spürt und dem, was dein Verstand denkt und gelernt hat, dass er tun sollte und das von den anderen erwartet wird.

Du selbst fängst an, über dich zu urteilen oder ein schlechtes Gewissen zu bekommen, wenn du nicht anrufst und schließlich gewinnt das Nicht-Selbst-Muster den Kampf und du rufst an, obwohl es dir nicht entspricht und dein Körper gerade gar kein Interesse daran hat, mit dieser Person in Kontakt zu treten.

Es entsteht ein Gespräch und nachdem du aufgelegt hast, hast du das Gefühl, du hast deine Pflicht gegenüber dem anderen Menschen erfüllt. Du warst wieder mal brav und hast dich so verhalten, wie es von dir erwartet wird.

Aber mit dir selbst bist du in dem Moment nicht im Reinen, du fühlst dich schlecht, unzufrieden, traurig, energielos oder schlicht und einfach unrund in deinem eigenen Körper. Irgendetwas ist nicht in Ordnung. Du hast dich wieder einmal dazu bringen lassen, die Signale deines Körpers zu überhören und zu missachten.

Oder, stell dir mal vor, du hast einen Partner, egal jetzt, ob es ein Lebenspartner ist oder ein Geschäftspartner, Kollegen, Eltern, Kinder, wer auch immer. Und du hast das Gefühl, du bist jetzt sauer auf den oder du bist beleidigt oder fühlst dich verletzt oder irgendetwas in der Art.

Du traust dich aber nicht, ihm das zu sagen, weil wenn du das tust, könnte er ebenfalls traurig oder sauer oder beleidigt sein und du möchtest einfach nicht dieses Gefühl zurückbekommen und du hast Angst, dass sich das sehr unangenehm für dich anfühlen würde. Hast vielleicht auch schon ähnliche Erfahrungen gemacht.

Also greift dein Verstand auf gewisse Muster zurück, die er aufgrund seiner Beobachtungen und Erfahrungen ausgerechnet hat, wie zum Beispiel: „Wenn ich jetzt so tue, als ob das überhaupt nicht schlimm wäre oder mir einrede, es ist überhaupt nicht schlimm, was in Wirklichkeit passiert ist, dann ist es auch nicht schlimm. Oder zumindest nicht so schlimm. Und es geht ja vorbei, es ist keine große Sache.“

Du hörst auf deinen Verstand und schluckst vieles herunter. Aber dein Körper spürt, es ist nicht richtig, was du machst, du fühlst dich unwohl, zum Beispiel verspannt und irgendwie komisch in deinem Körper.

Und wenn du wieder Kontakt mit der betreffenden Person hast, flammt immer wieder kurz in dir Ärger auf, wenn du daran erinnert wirst, was dich beleidigt oder gestört hast, aber du nicht angesprochen hast. Auf Dauer führt das zu einem ungesunden Zustand sowohl in deinem Körper als auch in der Beziehung zu dem anderen Menschen.

Dein Verstand gaukelt dir oft vor, dass das Nicht-Selbst das Richtige für dich ist. Aber das, was du da tust, bist nicht du, es ist nicht das, was dir und deinem Körper entspricht, sondern es ist gelernt und anerzogen.

Es kommt nicht aus deinem Innersten, aus dem, was dir und deinem ureigenen Wesen zutiefst entspricht. Stattdessen machst du in dem Moment das, was du gelernt hast in all den Jahren und was dir erzählt wird und auch anderen Menschen erzählt wird, was man zu tun hat.

Zum Beispiel kann es sein, dass du Druck verspürst, irgendetwas zu machen, sagen wir mal, deine Fenster sind dreckig, aber du spürst im Körper keinen Impuls, diese Fenster jetzt zu putzen.

Doch du weißt, die Nachbarn sehen deine dreckigen Fenster. Und in deinem Kopf beginnt folgender Gedankengang: „Wenn die Nachbarn meine dreckigen Fenster sehen, könnten sie anfangen, darüber zu urteilen. Sie könnten denken, dass ich eine schlampige und schlechte Hausfrau bin und auch mit anderen Leuten in unserem Viertel über mich lästern.“

Das macht dir Sorge und du möchtest das nicht, weil deinem Verstand wichtig ist, dass die Nachbarn gut über dich denken und weil dir beigebracht wurde, dass du dich immer so verhalten sollst, dass niemand schlecht über dich denken kann – also angepasst und so wie alle anderen auch. Also putzt du deine Fenster.

Auch das ist der Verstand, der deinem Nicht-Selbst sagt: „Putz die Fenster, weil saubere Fenster signalisieren, dass du eine ordentliche Hausfrau bist.“

Aber nicht du selbst hast diese Entscheidung getroffen, Fenster zu putzen, sondern diese Entscheidung haben all die Menschen um dich herum getroffen, die die gleichen Muster in sich tragen wie du.

So entsteht im Kollektiven ein Muster. Es entwickeln sich kollektive Regeln, die befolgt werden müssen, damit man so und so wirkt und rüberkommt. Es entsteht ein Schubladendenken und die Menschen richten ihre Entscheidungen danach aus.

Aber wir sind keine Menschen, die in Schubladen gehören. Wir sind individuelle Menschen. Und wir spüren genau im Körper das, was für uns gut ist und das, was uns nicht entspricht.

Dieses Nicht-Selbst spüren wir genau im Körper. Alles, was wir machen oder sagen und sich nicht gut im Körper anspürt, ist das erzogene Nicht-Selbst der Gesellschaft.

Irgendwann haben wir dann verlernt, ganz auf unseren Körper zu hören. Wir spüren ihn gar nicht mehr. Aber vielleicht wollen wir ihn gar nicht mehr spüren, weil oftmals das, was wir dort spüren, nicht schön für uns ist und wir deswegen unseren Fokus auf ganz andere Sachen legen, nur nicht auf unseren Körper.

Denn würden wir unseren Körper in voller Intensität spüren, dann wäre der Schmerz, trotzdem gegen ihn und seine Impulse zu handeln, so groß, dass wir das kaum aushalten könnten. Es würde innerlich viel zu sehr weh tun, zu spüren, wie sehr wir uns selbst damit verletzen, das könnten wir kaum aushalten. Dann müssten wir auf ihn hören, egal, was die anderen davon halten, doch dafür braucht es sehr viel Mut.

Je öfter und stärker wir als Kinder dafür bestraft wurden, auf unseren Körper zu hören und nicht so zu handeln, wie es von uns erwartet wurde, desto tiefer ist in uns ein Muster verankert, das sagt: „Es ist gefährlich, auf deinen Körper zu hören. Denn wenn du das tust, wirst du zum Außenseiter und gehörst nicht mehr dazu, wirst ausgestoßen oder bestraft.“

Dadurch flüchten viele von uns in den Verstand und versuchen, sich so weit wie möglich an den Durchschnitt der Gesellschaft anzupassen, auch wenn es sich schlecht für unseren Körper anspürt.

Wir fangen also an, mechanisch irgendwelche Sachen zu machen. Aus Gewohnheit, weil wir es schon immer so gemacht haben und gelernt haben, dass wir damit am leichtesten reibungslos in der Gesellschaft funktionieren können, auch wenn wir dafür einen hohen Preis zahlen: den Preis, uns selbst und unseren Körper nicht mehr zu spüren.

Es erspart uns, auf das zu hören, was uns wirklich entspricht. Und somit reagieren wir letztendlich auf Sachen und Situationen in der Art, die wir gelernt haben, wie wir gemäß den Anforderungen der Gesellschaft reagieren sollen. Und nicht aus dem Grund, weil uns der Körper signalisiert, wir sollten jetzt darauf reagieren.

Also Fazit: das Nicht-Selbst ist immer im Körper zu spüren. Es wohnt im Körper. Und wir können anfangen, uns wieder langsam, aber sicher auf unseren Körper zu fokussieren. ihn wieder wahrzunehmen. Und ihn als das zu sehen, was er ist: unser Leben!

Das benötigt eine Menge Mut, aber es lohnt sich, denn wir bekommen dafür das allergrößte Geschenk: uns und unseren Körper wieder voll zu spüren und schrittweise immer mehr das Leben zu leben, das uns selbst entspricht.

Die Konditionierung

Was ist nun Konditionierung? Konditionierung ist, wenn du die Gefühle, die Bedürfnisse, den Druck, die Willenskraft, die Richtung, die Art zu lieben eines anderen Menschen spürst, in dir wahrnimmst und denkst, dass es deines ist.

Da wir, wie vorhin erklärt, oft unseren eigenen Körper nicht gut spüren können und nicht wissen, wer wir selbst sind und was uns entspricht, können wir oftmals gar nicht unterscheiden, was unseres ist und was das ist, was den anderen gehört.

Stell dir vor, deine beste Freundin hat Ärger mit ihrem Chef. Und deine Freundin ist sehr, sehr traurig, weil sie Stress mit ihrem Chef hat und ihr Chef sie nicht so sieht, wie sie ist. Du wirst automatisch auch traurig und du und deine Freundin weint jetzt miteinander, fühlt euch hilflos und es geht euch nicht gut in diesem Moment.

Dabei fallen dir vielleicht Situationen ein, wo es bei dir ähnlich war, du spürst die Traurigkeit deiner Freundin und in deinem Verstand verknüpft sich die Traurigkeit deiner Freundin mit deiner eigenen Erinnerung an die Situationen, die du erlebt hast, auch wenn du selbst da vielleicht gar nicht traurig warst.

In Wirklichkeit bist du selbst aber in diesem Moment gar nicht traurig. Dein Körper ist nicht traurig, aber er spürt die Traurigkeit deiner Freundin und wenn du nicht gut spüren kannst, was dein eigenes ist, kannst du die fremde Traurigkeit leicht mit deiner eigenen verwechseln.

Im Körper spürst du einen Impuls, dass du eine Idee hättest, wie du deiner Freundin in diesem Moment helfen könntest. Dein Körper hat Lust, das zu tun, für ihn fühlt es sich richtig an, deine Erkenntnis zu teilen. Du würdest ihr gerne einen Tipp geben oder vielleicht auch Kritik äußern, weil du sie auch schon in ihrem Job beobachtet hast und eine Idee dazu hättest, was sie vielleicht verbessern könnte.

Jedoch bringt dein Verstand diesen Impuls zum Schweigen. Denn du traust dich jetzt nicht, das der Freundin zu sagen, weil sie ja eh schon traurig ist und du das nicht noch schüren möchtest. Also bist du lieber still und übergehst den Impuls deines Körpers.

Aber genau dieses Still-Sein ist das Nicht-Selbst. Denn du denkst: „Meine Freundin ist jetzt schon traurig und wenn ich ihr meine Meinung sage, wie ich die Sache sehe, dann wird sie noch trauriger.“

Aber vielleicht könnte ihr genau dieser Tipp in dem Moment helfen, damit sie aus einer Situation kommt, wo sie jetzt drinnen ist und die ihr nicht gefällt. Und du selbst würdest dich auch viel besser fühlen, wenn du das getan hättest, was sich für dich richtig angespürt hat.

Ein weiteres Beispiel: stell dir mal vor, du bist bei einer Freundin zu Besuch. Ihr wollt etwas unternehmen und fahrt mit dem Auto. Du sitzt hinten im Auto. Bei deiner Freundin im Auto hinten hängt eine Figur. Du kommst zufällig da dran und beschädigst diese Figur, traust dich aber nicht, das deiner Freundin zu sagen, weil du in der Vergangenheit für ähnliche Sachen, die dir passiert sind, oft bestraft wurdest.

Dir wurde gesagt: „Kannst du nicht besser aufpassen? Musst du denn immer so ein Tollpatsch sein?“ oder sonst irgendwelche Vorwürfe wurden dir gemacht. Das hat dir weh getan.

Du hast dann die Muster aus deinem Verstand genommen, hast es ausgerechnet und bist draufgekommen, dass du doch besser damit fährst, wenn du diese Sachen nicht sagst und für dich behältst.

Im ersten Augenblick ist das vielleicht beruhigend für dich, aber möglicherweise signalisiert dein Körper dir genau, dass das nicht der richtige Weg ist. Du merkst, dein Körper möchte das nicht, du fühlst dich schlecht, dein Herz schlägt schneller in dem Moment, deine Atmung verändert sich usw.

Das Nicht-Selbst hat wieder gesiegt. Aber das Nicht-Selbst wird immer auffliegen. Irgendwann, früher oder später wird das Nicht-Selbst an die Luft kommen.

Dann ist es vielleicht schwerer, damit umzugehen, als wenn man es versucht, in kleinen Stücken loszuwerden, nach und nach, immer wieder zu üben: „Wie fühlt sich mein Körper, wenn ich dieses oder jenes mache?“

Und jetzt stell dir mal vor, diese Freundin bringt dich jetzt wieder weg. Du kommst aus einer anderen Stadt und sie bringt dich zum Flughafen.

Ja, und dann sieht sie, wie du an einem Pullover hängen bleibst mit deiner Tasche, was ja überhaupt nicht schlimm ist. Deiner Freundin passiert das ständig und die macht auch ständig irgendetwas kaputt: ihre eigenen Sachen, die Sachen von den anderen Leuten… also sie kennt das sehr gut.

Und, wie gesagt, du bleibst an diesem Pulli hängen, der Faden ist gezogen, aber du drehst dich ganz schnell rum und rennst weg, in der Hoffnung, dass es niemand mitgekriegt hat.

In dem Moment denkst du gar nicht weiter darüber nach, es ist ein automatisches, gelerntes Muster, das da abläuft. Du spürst nicht in deinen Körper hinein, eigentlich möchtest du dich am liebsten nur wegmachen aus der Situation, weil es deinem Verstand so peinlich ist.

Wenn du deinen Körper aber nicht spüren kannst und Angst hast und darauf basierend handelst, dann hast du in diesem Moment keine Wahlmöglichkeiten mehr. Du fühlst dich hilflos und überfordert.

Du kannst nicht mehr sorgfältig hinspüren, was für dich und deinen Körper das Richtige wäre, sondern du fühlst dich wie blockiert und kannst nur mehr eines tun: das Muster abspulen, das du über lange Jahre gelernt hast und das sich automatisiert hat. In dem Fall könnte das vielleicht das Muster sein: „Versuche, die Situation zu ignorieren und so zu tun, als ob nichts passiert wäre“.

Jedoch ist dieses gelernte und automatisch abgespulte Muster wahrscheinlich nicht das Beste für dich.

Einerseits gibt es oft Leute, die es mitbekommen, wenn dir etwas passiert ist und du es vertuschen möchtest, aber darum geht es gar nicht hauptsächlich.

Worum es geht, ist, dass du damit wieder deinen Körper missachtet hast, du hast ein gelerntes Nicht-Selbst-Muster abgespielt und nicht hingespürt, was für deinen Körper richtig wäre.

Denn in Wirklichkeit kann es gut so sein, dass dein Körper zu den Sachen, die er macht und die ihm passieren, stehen möchte, weil sich das für ihn viel, viel besser anfühlt. Es kann natürlich auch sein, dass es für deinen Körper richtig ist, die Sache nicht anzusprechen oder selbst zu versuchen, das Problem zu beheben.

Was dein Körper aber in jedem Fall möchte, ist, dass du ihm die Aufmerksamkeit schenkst, genau hinzuspüren, was für ihn gerade richtig ist in diesem Moment und womit er sich am besten anfühlt.

Denn wenn du das machst, was sich für deinen Körper richtig anspürt, egal, was es letztendlich ist, dann kannst du auch dazu stehen, vor dir selbst und vor allen anderen. Der Körper wünscht sich, dass du ihn achtest und seine Weisheit anerkennst.

Es ist nicht nötig, dir Stress zu machen dabei, deinen Körper zu spüren. Egal, was passiert ist, wenn du merkst, du brauchst ein bisschen Zeit, um zu entscheiden, was für dich richtig ist, dann erlaube dir, sie dir zu nehmen.

Manche Menschen spüren sehr spontan, was für sie richtig ist und andere brauchen mehr Zeit dafür, diese Unterschiede sind ein Zeichen für unsere Individualität und es tut deinem Körper gut, wenn du respektierst, was er braucht.

Es kann sein, dass du im ersten Moment in der Situation zu überfordert bist und nicht gleich spürst, was für dich richtig ist.

Dann hilft es, wenn du, bevor du mit anderen Sachen weitermachst und das Thema einfach übergehst, dir ein paar Sekunden oder Minuten nimmst, um gut in dich hineinzuspüren und zu merken:

„Was möchte mein Körper jetzt tun? Was fühlt sich für ihn gut und richtig an? Was ist das Verhalten, mit dem er sich wohl fühlt und zu dem er stehen kann, vor sich selbst und nach außen?“

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